Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …

Das Ballett Dortmund und das NRW Juniorballett sind mit dem Beginn der Saison 25|26 nicht nur in eine neue Spielzeit, sondern auch mit einem neuen Intendanten und somit einem neuen Profil gestartet: Willkommen in Dortmund, Dr. Jaš Otrin.

Der gebürtige Slowene blickt auf eine beeindruckende Karriere als Solotänzer an führenden Opernhäusern Europas zurück, leitete das Slowenische Nationalballett und prägte als Manager, Forscher und Pädagoge die Tanzwelt weit über die Bühne hinaus.

Mit seiner Vision möchte er das Ballett Dortmund in eine neue Ära führen – innovativ, interdisziplinär und mit einem klaren Fokus auf die künstlerische wie persönliche Entwicklung seiner Tänzer*innen.

Wir freuen uns auf die Zukunft und viele spannende Projekte mit dir, Jaš!

Jaš Otrin (c) Sofia Brandes/Max Slobodda

Im folgenden Interview lernen Sie den BallettIntendanten bereits etwas näher kennen:

Wie und wann bist du zum Ballett gekommen?
Ich komme aus einer künstlerischen Familie. Mein Vater war Choreograf, Ballett- und Schuldirektor, meine Mutter ist Theater-, Film- sowie Fernsehschauspielerin und meine Schwester singt. Ich wurde daher in meiner Jugend nicht zum Fußballspiel geschickt, sondern als Hypermotoriker zum Tanzen.

Was war ein Highlight deiner Karriere als Tänzer?
Eines meiner Highlights war mein Debüt als Prinz Siegfried in Schwanensee am Bayerischen Staatsballett in München. Der erste Solist hatte sich verletzt und seine Partnerin hatte sich gewünscht, mit mir zu tanzen. Ich war damals ganz am Anfang meiner Karriere und musste innerhalb von nicht einmal zwei Wochen den Part des Prince Charming einstudieren.

Wann und warum hast du deine Karriere als Tänzer beendet?
Ich habe meine Karriere mit 31 Jahren relativ früh beendet. Nach ein paar Jahren als Principal Guest Artist habe ich mich 2005 dem Ballett der Slowenischen Staatsoper angeschlossen und im gleichen Jahr die Leitung der Company übernommen. Meine Abschiedsvorstellung fand 2006 in Maribor statt: ein Schwanensee, mit dem Ballett des Slowenischen Staatstheaters, zu Ehren meines Vaters zu seinem 75. Geburtstag. Und so schloss sich der Kreis „meines ersten Lebens“ perfekt.

Was bewog dich, zwei Studien abzuschließen und dazu noch zu promovieren mit dem Thema „Personalentwicklung im Theater“?
Um die angebotene Leitung eines Kultur- und Kongresszentrums übernehmen zu können, erwarb ich den akademischen Grad eines Master of Arts an der LMU in München und einen MBA in General Management an der Fachhochschule in Allensbach. Mein Schnuppern in die akademischen Gewässer gipfelte in einem Dr. phil. von der LMU.

Welche Erkenntnisse deiner Doktorarbeit möchtest du in deiner Arbeit als Intendant des Ballett Dortmund umsetzen und wie willst du das erreichen?
Die Ergebnisse der Doktorarbeit sind das Fundament meiner Vision für das Ballett Dortmund und das NRW Juniorballett. Die Personalentwicklung der Tänzer und Tänzerinnen wird aufgeteilt in „on the job“, „near the job“ und „out the job“. Dazu gründen wir ein Kreativzentrum, ein Förderzentrum und ein Kompetenzzentrum. Den Kern bildet ein Kreativteam, welches neben dem Intendanten aus zwei international anerkannten choreografischen Persönlichkeiten als Artists in Residence besteht. Diese Künstler, Annabelle Lopez Ochoa und Edward Clug, sind fest an das Haus gebunden und werden das künstlerische Profil des Ballett Dortmund mitprägen. Die Artists in Residence werden auch Teil des Förderzentrums sein. Sie werden neben Uraufführungen, die sie für das Ballett Dortmund und das NRW Juniorballett choreografieren, auch als Mentoren die Tänzer als Tänzer “on the job“ fördern, individuelle Defizite korrigieren und u. a. choreografisches Potenzial der Tänzer entdecken und entwickeln. So soll eine neue Generation von Choreografinnen und Choreografen und zum anderen eine neue Generation der Tanzpädagoginnen und Tanzpädagogen Made in Dortmund entwickelt werden. Der Kern des Kompetenzzentrums ist die strategische Personalentwicklung, zuerst als Verbesserung der Tänzer „on the job“, dann „near the job“ durch Maßnahmen zur Prävention von berufsbedingten Verletzungen u. a. durch Verbesserung der Ausdauer und der Kondition der Tänzer. Schließlich müssen die Tänzer, deren Laufbahn zumeist Mitte Dreißig endet, nach ihrer Tanzkarriere „out the job“ auf eine neue berufliche Karriere vorbereitet werden.

Was ist der Geschäftszweck von „OtrinArtManagement GmbH“?
Die Personalentwicklung von Balletttänzer*innen und Unterstützung ihrer Karrieren als Tänzer*innen oder Choreograf*innen ist das Kernanliegen. Wir trafen einige, damals junge Künstler*innen, die wir aufbauen durften und einige davon sind mittlerweile Weltstars. Wir wollten nie groß werden, denn die individuelle Arbeit, ob mit Einzelkünstlern oder Institutionen, lag mir schon immer näher, als schnelles Wachstum.

Welche ehrenamtlichen Tätigkeiten im deutschen Tanzvereinswesen hast du ausgeübt?
Von 2013 bis 2016 war ich 1. Vorsitzender des Fördervereins Tanzkunst Deutschland e. V. und habe die Verleihung des „Deutschen Tanzpreises“ organisiert, und bis 2024 war ich als Vertreter der Abgabepflichtigen im Beirat der Künstlersozialkasse.

Zusammen mit Edward Clug und Annabelle Lopez Ochoa als Artists in Residence hast du ein Trio exzellenter Ballettkunst geformt. Was sind deine Pläne für die Spielzeit in Dortmund?
Besonders wichtig war es mir, zu zeigen, dass das Theater Dortmund mehr ist als die Summe seiner einzelnen Sparten. Wir eröffnen die neue Repertoire-Spielzeit mit einer fulminanten, spartenübergreifenden Ballettproduktion. Mit Carmina Burana von Edward Clug feiern das Ballett Dortmund, die Oper Dortmund und die Dortmunder Philharmoniker gemeinsam den Beginn einer neuen Ära. Annabelle Lopez Ochoas bewegende Produktion Frida feiert Anfang 2026 in Dortmund ihre Deutschlandpremiere. Als dritte Premiere werden in Tribute to Mozart drei Choreografien getanzt. Die vierte Premiere ist für das NRW Juniorballett reserviert und heißt Radio and Juliet. In diesem hypnotisierenden und intimen, modernen Ballett in der Choreografie von Edward Clug verschmilzt Shakespeares tragische Romanze mit der atmosphärisch-dichten Musik von Radiohead. Ich hoffe daher, dass sich die Ballettfreunde Dortmund auf die vier Premieren und die Wiederaufnahme von Xin Peng Wangs Schwanensee freuen werden.

Jaš Otrin wurde 1975 in Maribor, Slowenien geboren, wo er auch seine Musik- und Ballettausbildung begann. Nach seinem Studium an der Hochschule für Musik und Theater in München (Ballett-Akademie) führte seine Ballettkarriere ihn u. a. zum Bayerischen Staatsballett, dem Het Nationale Ballet nach Amsterdam und dem Ballett der Deutschen Staatsoper in Berlin. 2005 wurde Otrin Mitglied des Balletts des Slowenischen Nationaltheaters und in der gleichen Spielzeit sein künstlerischer Leiter. Bis 2010 wurde unter seiner Leitung die Grundsanierung des Opernhauses durchgeführt. 2010 gründete Otrin seine OtrinArtManagement GmbH Agentur, absolvierte in den folgenden Jahren erfolgreich verschiedene Studien im Kulturmanagement und promovierte an der LMU in München mit dem Thema „Personalentwicklung im Theater. Zur bedarfsorientierten, prozessbegleitenden Weiterbildung und Förderung von Kunstschaffenden in der Sparte Tanz“.

Das Interview mit Jaš Otrin führte Michael Brenscheidt.