Ab sofort heißen das Ballett Dortmund und NRW Juniorballett eine der international gefragtesten Choreografinnen als Artist in Residence – unter dem neuen Ballettintendanten Dr. Jaš Otrin – willkommen: Annabelle Lopez Ochoa.
Mit ihren Werken haben schon knapp 80 Compagnien weltweit ihr Publikum begeistert – von London über New York bis Hong Kong. Ob inspiriert von bildender Kunst oder den Lebensgeschichten großer Frauen wie Frida Kahlo, Coco Chanel oder Eva Perón: Annabelle Lopez Ochoa verbindet in ihren Kreationen tänzerische Virtuosität mit poetischer Bildkraft.
Als Artist in Residence wird sie – geneinsam mit Edward Clug – ab dieser Spielzeit nicht nur neue Arbeiten für das Ballett Dortmund und NRW Juniorballett entwickeln, sondern auch den choreografischen Nachwuchs im Rahmen des Mentor*innenprogramms We DO Dance! begleiten.
Das Ballett Dortmund und NRW Juniorballett freuen sich auf die Zusammenarbeit mit Annabelle und darauf, ihre berührenden und energiegeladenen Werke auf der Bühne zu präsentieren!
Im folgenden Interview lernen Sie die Choreografin bereits etwas näher kennen:
Wo bist Du aufgewachsen und welche Sprachen sprichst Du??
Ich wurde in Leuven als Kind einer flämischen Mutter und eines kolumbianischen Vaters geboren. Somit ergab sich, dass ich von Kind auf Flämisch, Französisch und Spanisch lernte. Später lernte ich noch Englisch.
Wann hast Du beschlossen, Balletttänzerin zu werden?
Ich wurde zum Ballett geschickt, um eleganter zu werden und mein burschikoses Aussehen loszuwerden. Ich verließ mein Elternhaus und wurde im – dem Königlichen Ballett von Flandern angeschlossenen – Internat eingeschult, wo ich im Alter von 18 Jahren mein Diplom erhielt.
Wann hast Du entschieden, Choreografin zu werden?
Ich war verrückt nach Jazzdance und fand die Improvisationen so toll. Ich wusste mit 11, dass ich mal Choreografin werden wollte. Getanzt habe ich bis ich 30 wurde, aber auch vorher hatte ich schon choreografiert.
Was war Deine erste Choreografie für ein Ballett?
Ich war 24, beim Scapino Ballett Rotterdam und produzierte ein Duett für 2 Frauen.
Du hast mehr als 100 Arbeiten für 88 Ballettcompagnien in 4 Erdteilen produziert. Erinnerst Du Dich an eine besonders?
Zwei Tage vor der Premiere kam der Direktor zu mir und sagte, dass er meine Premiere absagen würde, weil ich eine wichtige Lektion lernen musste, die ich bis heute schätze: „Entwickle niemals ein Werk für dich selbst, sondern sieh und entwickle für die Tänzer*innen, die vor dir stehen!“
Produzierst Du lieber Ballettstücke für die Bühne oder für Filme?
Lieber für die Bühne, weil das Stück dann komplett fertig wird. Beim Film werden viele Szenen rezensiert, geändert, neu gedreht, was natürlich auch sehr spannend sein kann.
In welcher Stadt warst Du gerade, als die Covid Pandemie die uns alle überraschte?
Ich war in Tulsa, Oklahoma. Es war der 17. März 2020, der Geburtstag meines Mannes und eine Woche vor der geplanten Premiere. Ich hatte ein riesiges Glück, dass ich noch ein Ticket für einen Flug nach Amsterdam bekam, meiner Heimatstadt.
Wo hast Du während der Pandemie Deine 23 kurzen Tanzfilme gemacht?
In München, Dresden und Oslo, Tulsa, Miami, Amsterdam, San Diego und NYC. Man kann sie auf Vimeo sehen.
Wie viele Tage bist und arbeitest Du im Jahr Ausland?
In den letzten Jahren war ich nur etwa 6 Wochen im Jahr zu Haus in Amsterdam, d.h. über 300 Tage unterwegs, davon sehr viel in Übersee mit Jet Lag, was meinen Körper stark belastet.
Hast Du Zeit für richtige Ferien, Ruhe und Erholung?
Sehr wenig. An sich nur über die Weihnachtstage oder wenn ich zu Besuch bei meiner besten Freundin und meinem Patenkind in der Dominikanischen Republik bin.
Welche Produktionen planst Du für 2026?
In Leeds wird Gentleman Jack aufgeführt, in Houston Broken Wings. Grassville in St. Louis und Die Kameliendame in Vilnius, hier in Kooperation mit dem Nationalballett von Estland. Und in Dortmund natürlich Frida.
Was bewog Dich, für die nächsten 5 Jahre mit dem Ballett Dortmund zu arbeiten und was sind Deine Erwartungen? Ich hatte mit dem Gedanken gespielt, mich wieder in Europa niederzulassen und eine engere Beziehung zu einem Unternehmen aufzubauen. Als Jaš mir diese Stelle als Artist in Residence vorschlug, habe ich die Gelegenheit sofort ergriffen.
Das Interview mit Annabelle Lopez Ochoa führte Michael Brenscheidt.
